Zugänglichkeit

Die Zugänglichkeit (accessibility) beschreibt ein Konzept, dass das weit verbreitete Konzept der Barrierefreiheit beinhaltet, dies allerdings noch erweitert. Die Zugänglichkeit ist als definierter Begriff in der DIN EN ISO 9241-171 enthalten und wie folgt beschrieben:

„Gebrauchstauglichkeit eines Produktes, einer Dienstleistung, einer Umgebung oder einer Einrichtung für eine in Bezug auf ihre Fähigkeiten möglichst weit gefasste Gruppe von Menschen.“

Anmerkung 1: „Der Begriff der Zugänglichkeit betrifft den gesamten Bereich der Fähigkeiten der Benutzer und ist nicht auf Benutzer beschränkt, die formell als behindert gelten.“

Anmerkung 2: „Der auf Gebrauchstauglichkeit ausgerichtete Begriff der Zugänglichkeit zielt darauf ab, unter besonderer Berücksichtigung der gesamten Bandbreite der Fähigkeiten, über die die einzelnen Benutzer innerhalb der Gesamtheit verfügen, ein im Hinblick auf den betreffenden Nutzungskontext möglichst hohes Ausmaß an Effektivität, Effizienz und Zufriedenstellung zu erreichen.“ [ISO 9241-171, Seite 10]

Sie beschreibt die Kunst Websites so zu konzipieren, dass sie für möglichst viele Menschen benutzbar sind – unabhängig von der Nutzungssituation, dem Alter und den Fähigkeiten. Eine zugängliche Website sollte demzufolge für Menschen mit visuellen, auditiven, motorischen, als auch mit kognitiven Behinderungen uneingeschränkt zugänglich sein. Es geht dabei allerdings nicht darum, Speziallösungen für einzelne Gruppen zu konzipieren, sondern ein Design für alle zu entwickeln, das sowohl Menschen mit Behinderungen als auch völlig gesunde Menschen einbezieht. Häufig wird in diesem Kontext auch von Universal Design, Universal Usability oder Design für Alle gesprochen. Das Thema ist heutzutage sehr bedeutend, gerät allerdings häufig in Vergessenheit. Die Zugänglichkeit repräsentiert mittlerweile im Webdesign ein umfangreiches, selbstständiges Thema.

Warum ist die Zugänglichkeit so wichtig?

Millionen von Websitebesuchern unterliegen den verschiedensten Einschränkungen. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Altersbedingte Beeinträchtigungen („Silver-Surfer“)
  • Kleinere Monitore & langsamere Anbindungen
  • Unterschiedliche Fähigkeiten und Wissensstand der Nutzer
  • Unterschiedliche Arten von Behinderungen wie Blindheit, Farbblindheit, Sehschwächen, motorische Einschränkungen, etc.

Um Millionen von potenziellen Kunden nicht ausschließen zu müssen, ist die zugängliche Gestaltung gegenwärtig zu einem essenziellen Mittel, sowie einem Qualitätsmerkmal eines professionellen Internetauftritts, geworden. Das zugängliche Gestalten von Internetseiten wird zunehmend immer wichtiger. Auf diese Weise kann man das Leben vieler Menschen gravierend erleichtern bzw. verbessern. Außerdem kann man davon ausgehen, dass es in naher Zukunft auch für Gewerbstätige vorgeschrieben sein wird, ausschließlich „voll“ zugängliche Inhalte zu veröffentlichen. Öffentliche Einrichtungen sind schon heutzutage durch die BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) rechtlich dazu verpflichtet, ihr Angebot für alle zugänglich zu machen. [vgl. Krug 2002] Zugängliche Websites bieten allen involvierten Vorteile:

  1. Reichweite wird erhöht, Neukunden werden gewonnen
  2. Unternehmen gewinnt positives Image
  3. Durch standardkonforme Programmierung wird die Qualität gesteigert
  4. Dank eines schlankeren Quellcodes werden die Ladezeiten verkürzt
  5. Die Trennung von Layout und Inhalt sorgt für eine leichtere Pflege
  6. Suchmaschinen können die Seite besser lesen
  7. Nutzer erreichen ihr Ziel durch die bessere Bedienbarkeit (z.B. angemessene Verwendung von Farbkontrasten bei der Navigation) schneller [vgl. usability.de 2008] [vgl. Hammer 2009, Seiten 189–192]

Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) 2.0

Eine zugängliche Website sollte besonders gut wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sein. Im folgenden werden die Richtlinien des W3C für barrierefreie Webinhalte vorgestellt, die auch die Grundlage für die Neufassung der BITV bilden:

  1. Wahrnehmbar
    1. Stellen Sie Textalternativen für alle Nicht-Text-Inhalte zur Verfügung, so dass diese in andere vom Benutzer benötigte Formen geändert werden können, wie zum Beispiel Großschrift, Braille, Symbole oder einfachere Sprache.
    2. Stellen Sie Alternativen für zeitbasierte Medien zur Verfügung.
    3. Erstellen Sie Inhalte, die auf verschiedene Arten dargestellt werden können (zum Beispiel mit einfacherem Layout), ohne dass Informationen oder Strukturen verloren gehen.
    4. Machen Sie es für den Benutzer leichter, Inhalte zu sehen und zu hören, einschließlich der Trennung zwischen Vordergrund und Hintergrund.
  2. Bedienbar
    1. Sorgen Sie dafür, dass alle Funktionalitäten von der Tastatur aus verfügbar sind.
    2. Geben Sie den Benutzern ausreichend Zeit, Inhalte zu lesen und zu benutzen.
    3. Gestalten Sie Inhalte nicht auf Arten, von denen bekannt ist, dass sie zu Anfällen führen.
    4. Stellen Sie Mittel zur Verfügung, um Benutzer dabei zu unterstützen zu navigieren, Inhalte zu finden und zu bestimmen, wo sie sich befinden.
  3. Verständlich
    1. Machen Sie Textinhalte lesbar und verständlich.
    2. Sorgen Sie dafür, dass Webseiten vorhersehbar aussehen und funktionieren.
    3. Helfen Sie den Benutzern dabei, Fehler zu vermeiden und zu korrigieren.
  4. Robust
    1. Maximieren Sie die Kompatibilität mit aktuellen und zukünftigen Benutzeragenten, einschließlich assistierender Techniken. [Caldwell et al. 2009]