Theoretische Sichtweise einer Webnavigation
Aktionen auf Makro-, Meso- & Mikroebene
Wenn ein Besucher eine Website betritt, hat er in der Regel ein bestimmtes Ziel vor Augen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind nicht selten eine ganze Reihe von Einzelschritten nötig. Diese einzelnen Schritte kann man auf drei unterschiedlichen Ebenen betrachten:
- Aktionen auf der Makroebene Sie beziehen sich auf das eigentliche Ziel, das der Websitebesucher vor Augen hat. Dies könnte z.B. die Kontaktaufnahme mit einem Unternehmen sein.
- Aktion auf der Mesoebene Sie beziehen sich auf die Zielerreichung einzelner Interaktionselemente. Dies könnte z.B. eine erfolgreiche Nutzung eines DropDown-Menüs sein.
- Aktion auf der Mikroebene Sie repräsentieren alle Einzelschritte (alle Klicks), die der Websitebesucher durchläuft, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Dies könnte z.B. der Linksklick auf einen Menüpunkt mit der Beschriftung „Kontakt“ sein.
Die Gestaltung einer professionellen Navigation betrifft alle drei Ebenen. Die Navigation sollte idealerweise alle Einzelschritte, intuitiv ausführbar, zur Verfügung stellen. Mehrere Einzelaktionen zusammengefasst sollten die erfolgreiche Nutzung von Interaktionselementen ergeben. Die erfolgreiche Benutzung von Interaktionselementen auf einer Website sollte schließlich zu dem eigentlichen Benutzerziel führen. [vgl. Kalbach 2008]
Such- und Navigationsverhalten von Nutzern
Websitebesucher wollen nicht nur qualitativ hochwertige Inhalte, sondern vor allem Inhalte, die einfach zu finden und zu benutzen sind. Bei der Suche nach den Inhalten gehen sie dabei oft unsystematisch vor. Es scheint, als würden sie von einem Strauch zum anderen Strauch Beeren „jagen“, weil sie dort noch reifere Beeren erspäht haben. Auf diese Weise ist die Antwort auf die ursprüngliche Frage des Besuchers oft das Resultat vieler unsystematischer Einzelschritte. [vgl. Kalbach 2008, Seite 31]
Laut David Danielson erfolgt die Navigation von Websitebesuchern, wie in Abbildung 2.2 zu sehen ist, in einem Zyklus aus:
- Habitation (Gewöhnung) Der Besucher findet sich zurecht, orientiert sich und lernt die aktuelle Umgebung kennen.
- Prädiktion (Voraussehen) Der Besucher ahnt, wie er vorgehen muss, um seine individuellen Ziele zu erreichen.
- Reorientation (Neuorientierung) Der Besucher wird mit einer veränderten Umgebung konfrontiert, die einer erneuten Gewöhnung bedarf. [vgl. Danielson 2003]
Menschen sind von Natur aus dazu veranlagt, nach Ordnung und Mustern zu suchen, dies gilt auch bei Internetauftritten. Es unterstützt sie beim Gewöhnen, Voraussehen und Neuorientieren innerhalb des Navigationsprozesses. Inhalte einer Website sind leichter zu nutzen, wenn sie eine konsistente Form (physische und semantische Muster) haben. Außerdem hat sich gezeigt, dass Benutzer häufig die erstbeste Option wählen, wenn sie ihrem Ziel zu entsprechen scheint. Gegen Werbebanner haben sie mittlerweile eine sog. „Bannerblindheit“ entwickelt. „Bannerblindheit“ bedeutet, dass man Werbeeinblendungen innerhalb und außerhalb von Websites, gar nicht mehr wahrnimmt, sondern intuitiv ignoriert. Man registriert zwar ein Objekt, ist sich jedoch nach dem Besuch der Website nicht mehr im Klaren darüber, um was es sich gehandelt hat. Mittlerweile ist es so, dass die Verwendung von Bannern auf Websites im Gegensatz zu früher, durch das „antrainierte“ Phänomen der „Bannerblindheit“, extrem an Potenzial einbüßen muss. [vgl. Kalbach 2008, Seiten 38, 42]
Der Informationssuchprozess nach Kuhlthau
Information Search Process (ISP) ist ein von Carol C. Kuhlthau entwickeltes Modell, dass versucht, die Informationssuche inklusive der Emotionen der Benutzer, sukzessive zu beschreiben. Sie verwendet dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der in die folgenden sechs Stadien unterteilt ist:
- Initiation Der Besucher wird sich einer Informationslücke bewusst. Es treten Emotionen wie Besorgnis und Unsicherheit auf.
- Selection Die zuerst empfundenen Gefühle von Besorgnis und Unsicherheit weichen den Gefühlen von Bereitschaft und Optimismus mit der Suche nach Informationen zu starten.
- Exploration Emotionen wie Zweifel, Verwirrung und Unsicherheit kehren wieder zurück, da der Besucher sein Informationsbedürfnis, bedingt durch die (schwierige) Interaktion mit dem System, nicht direkt befriedigen kann.
- Formulation Durch die Fokussierung der Suche, nimmt die Unsicherheit ab und die Zuversicht wächst, was sich als Wendepunkt im Suchprozess darstellt.
- Collection In diesem Stadium scheint die Interaktion des Besuchers mit dem System am effizientesten und effektivsten. Durch Entscheidungen über Fokus und Reichweite der Thematik setzt ein Gespür von Richtung beim Besucher ein. Die Zuversicht wächst weiter.
- Presentation Die Suche wird abgeschlossen und das Informationsbedürfnis wird idealerweise befriedigt. Der Besucher empfindet Erleichterung, ebenso wie Zufriedenheit oder Unzufriedenheit (bei dem Fehlschlag einer Suche). Das Stadium endet im Prozess der Verarbeitung und verinnerlichen des Gelernten. [vgl. Kalbach 2008, Seiten 48–49]
Wichtig dabei ist, dass die einzelnen Phasen nicht zwingend linear aufeinander folgen müssen. Das Modell dient primär der Ermittlung des Informationsbedarfs und berücksichtigt dabei im besonderem Maße die gefühlsmäßigen Faktoren, die subjektives Handeln, sowie den Prozess der Informationssuche maßgebend bestimmen.
Mein Name ist Karsten Nolte. Derzeit strebe ich an der Westfälischen Hochschule den akademischen Grad Master of Science im Studiengang »Praktische Informatik« an.
