Flow-Konzept von Csikszentmihalyi
Mihaly Csikszentmihalyi (spricht sich: Tschik-sent-mihai) unterrichtet Psychologie und Management an der Claremont University mit dem Fokus auf Optimismus, Motivation und Verantwortung. Darüber hinaus ist er führender Wissenschaftler auf dem Gebiet der positiven Psychologie. Er hat sein Leben der Frage gewidmet: „Was macht uns Menschen wirklich glücklich?“.
„When we are involved in creativity, we feel that we are living more fully than during the rest of life.“ [Mihaly Csikszentmihalyi]
Mihaly Csikszentmihalyi hat maßgeblich zum Verständnis von Freude, Kreativität, menschliche Erfüllung und dem Begriff „Flow“ – einen Zustand stärkerer Fokussierung und dem Eintauchen in Aktivitäten wie z.B. Kunst oder Musik – beigetragen.
Mit Flow (fließen, strömen) bezeichnet Csikszentmihalyi die ideale Erfahrung, einen Zustand, in dem die in das Bewusstsein dringende Information mit den Zielen übereinstimmt – es gibt keinen Grund zur Sorge, alles scheint in Ordnung. Es herrscht eine optimale Balance zwischen Anforderungen und Fähigkeiten. Wenn man sich in einer solchen Situation befindet, kann der Fokus frei gelenkt werden, um ein spezielles Ziel zu erreichen. Als Grundbedingung für Flow muss das Gefühl einer Entdeckung geschaffen werden, d.h., ein kreatives Gefühl, dass das Individuum in eine andere Realität versetzt. Der Schlüssel zu Flow-Aktivitäten liegt in einem Wachstum des Selbst, einem Trieb zu höherer Leistung, der zu einem ungeahnten Zustand des Bewusstseins führt. Man vergisst alles um sich herum, ist von der Aufgabe „gefesselt“ und geht vollkommen in ihr auf.
Es ist schwierig das Flow-Konzept auf die Gestaltung von Websites zu übertragen, weil deren Zielgruppe häufig sehr heterogen ist und folglich deren Fähigkeiten nicht bekannt sind. Natürlich ist es für jeden ein individuelles Erlebnis, aber es lassen sich trotzdem einige Rahmenbedingungen feststellen, die den Zustand für Flow begünstigen:
- Die Person ist der Aktivität gewachsen.
- Es muss die Chance bestehen, die gebotene Aufgabe bewältigen zu können.
- Die Person muss in der Lage sein, sich darauf konzentrieren zu können.
- Die Aufgabe ist aus unmissverständlichen Zielen zusammengesetzt.
- Diese klaren Ziele ermöglichen ein sofortiges Feedback.
- Das Handeln in einer mühelosen Form der Einbindung ermöglicht es, Sorgen und Frustrationen des täglichen Lebens zu vergessen.
- Die Person hat Kontrolle über die eigenen Aktionen.
- Das Eigeninteresse verschwindet und taucht nach der Flow-Erfahrung stärker als zuvor wieder auf.
- Das Gefühl für Zeit hat sich geändert (Stunden erscheinen wie Minuten).
Csikszentmihalyi entwarf dazu das in Abbildung 1.6 zu sehende Diagramm. Dieses Diagramm stellt die Herausforderung, die eine Person in diesem Moment empfindet und die Fähigkeiten, der sie in diesem Moment gewiss ist, in Beziehung zueinander.
Er ist noch einen Schritt weiter gegangen, indem er eine Untersuchung mit mehreren Leuten durchführte. Jeder von ihnen musste 10 Mal am Tag aufschreiben, was er gerade tut, was er empfindet, wo er ist und worüber er in diesem Moment nachdenkt. Mihaly Csikszentmihalyi konnte für jede Person einen Durchschnitt festlegen, der den Mittelpunkt des Diagramms darstellt. Er repräsentiert das Durchschnittsniveau von Herausforderung und Fähigkeiten, die sich von Person zu Person unterscheidet. Jedoch scheint es in der Mitte des Schemas eine Art fixen Punkt zu geben. Wenn man den festen Punkt weiß, kann man mit ziemlicher Gewissheit hervorsagen, zu welcher Zeit man sich im Flow-Zustand befindet. Das wird dann sein, wenn die Herausforderungen überdurchschnittlich sind, ebenso wie die Fähigkeiten.
Jede Person hat diesen Flow-Kanal. Das ist der Punkt, wenn man das tut, was man wirklich gern tut. Das führt allerdings zunehmend dazu, dass die anderen Bereiche immer weniger positiv werden. Die Erregung ist dann immer noch stark vertreten, da sie eine Überforderung darstellt. In diesem Zustand entsprechen die Fähigkeiten nicht mehr dem geforderten Niveau, jedoch ist es sehr leicht, sich wieder in den Flow-Bereich zu bewegen, indem man einfach etwas mehr Fähigkeiten entwickelt. Also ist Erregung das Gebiet, aus dem sehr viele Leute lernen. Sie werden aus ihrem Wohlfühlbereich geholt und um diesen wieder zu erreichen, entwickeln sie höhere Fähigkeiten.
Kontrolle ist ebenfalls immer eine probate Methode, denn man empfindet dabei positiv, aber nicht sonderlich erregt. Sie stellt allerdings keine Herausforderung mehr da. Und falls man von der Kontrolle aus in den Flow-Zustand eintreten möchte, muss man die Herausforderungen erhöhen. Also sind diese beiden Emotionen ideale und gegenübergestellte Komponenten, aus denen man jeweils in den Flow-Zustand eintreten kann. Andere Variationen von Herausforderung und Fähigkeiten werden laut Csikszentmihalyi, mit fortlaufenden Schritten, immer weniger optimal. [vgl. Reeps 2006, Seiten 34–36] [vgl. Csikszentmihalyi 2004]
Mein Name ist Karsten Nolte. Derzeit strebe ich an der Westfälischen Hochschule den akademischen Grad Master of Science im Studiengang »Praktische Informatik« an.