Drei-Level-Theorie nach Norman et al.
Donald Norman, emeritierter Professor für Kognitionswissenschaften, gilt als Usability- Experte und ist Mitgründer der Firma Nielsen Norman Group, die sich primär im Bereich Usability-Beratung betätigt. Er fand zusammen mit seinen Kollegen Andrew Ortony und Willian Revelle in Studien heraus, dass das menschliche Gehirn drei unterschiedliche Verarbeitungsebenen besitzt:
- Die automatische, vorgestaltene Ebene, das viszerale Level
- Den Teil des Gehirns, der die Hirnaktivität des täglichen Verhaltens kontrolliert, das Verhaltenslevel
- Und den nachdenklichen Teil des Gehirns, das reflektierende Level
Jedes Level spielt bei der Arbeitsweise von Benutzern eine andere Rolle und erfordert einen anderen Designstil.
- Viszerales Level Es ist schnell und ist sozusagen die unmittelbare Reaktion auf das Gesehene (schnellste Reaktion „körperliches Erlebnis“). Hier verliert sich der Benutzer völlig in dem was er sieht, hört oder fühlt. Auf Grundlage dieser Wahrnehmungsebene kann der Benutzer schnell zwischen gut und böse, sicher oder gefährlich differenzieren. Das Gehirn trifft dabei Entscheidungen, ohne das sich der Nutzer dessen im Klaren ist. Er absorbiert sozusagen das Erscheinen. Die Reaktionen sind rein physiologisch begründet und der Betroffene erlebt, analysiert oder hinterfragt nichts. Überdies ist es möglich, dass die unmittelbare Reaktion durch die beiden anderen Level verstärkt oder unterdrückt werden. Eine weitere Besonderheit dieser Ebene ist, dass sie bei den meisten Menschen auf überraschend ähnliche Art und Weise ausgeprägt ist.
- Verhaltenslevel Es umfasst das Handeln des Benutzers und drückt die Freude und die Effektivität des Gebrauchs aus. Die Aktionen des Nutzers erzeugen hier ein Erlebnis. Es dreht sich alles um das Gefühl bei der Benutzung. Um das Verhaltenslevel positiv anzusprechen, sind drei Komponenten wichtig: Funktion, Verständlichkeit und Gebrauchstauglichkeit. Außerdem kann das Level vom reflektierenden Level beeinflusst werden und dieses kann wiederum das viszerale Level rückwirkend beeinflussen.
- Reflektierendes Level Es lässt den Benutzer über das Produkt nachsinnen und überblickt das Geschehen. Es handelt sich um das Level des Intellekts, auf dem der Benutzer observiert, eine Erfahrung kommentiert und diese überdenkt. Der Benutzer hat keine direkte Verbindung zum sensorischen Empfinden oder über die Kontrolle des Verhaltenslevels; stattdessen reflektiert er das Verhaltenslevel und versucht es zu beeinflussen. Es geht um Verstehen, Kognition und Interpretation.
Das Verhaltenslevel als auch das reflektierende Level sind sehr empfindlich gegenüber Erfahrungen wie z.B. Praxis und Bildung. Kulturelle Ansichten haben hier ebenfalls einen hohen Einflussgrad. Was eine Kultur besonders attraktiv findet, stößt eine Andere möglicherweise radikal ab.
Das Ergebnis ist, dass alles, was der Nutzer tätigt, eine kognitive und eine affektive Komponente – kognitive um sich eine Meinung zu bilden und die Sache zu verstehen, affektive um der Sache einen Wert zuzuordnen – besitzt. Der Nutzer kann sich dem Affekt dabei nicht entziehen: er ist immer vorhanden. Wichtig dabei ist, dass der affektive Eindruck, egal ob positiv oder negativ, einen wesentlichen Einfluss darauf hat, wie der Nutzer denkt und handelt.
Ein von Norman genanntes Beispiel ist das gewaschene Auto, in dem es sich irgendwie besser fährt, als in dem Schmutzigen. Dies ist laut Norman Affekt und nicht ausschließlich Emotion. Unbewusst empfindet der Mensch ästhetisch ansprechende Dinge (z.B. auch Websites) besser und meint, dass er mit Ihnen auch einfacher arbeiten kann. [vgl. Norman 2004, Seite 36] [vgl. Reeps 2006, Seiten 52–58]
Mein Name ist Karsten Nolte. Derzeit strebe ich an der Westfälischen Hochschule den akademischen Grad Master of Science im Studiengang »Praktische Informatik« an.