Inhalt ist entscheidend
Fakt ist, dass der Besucher einer Website wegen des Inhalts kommt und nicht wegen dem Design. Inhalt ist somit das wichtigste Element im User Interface Design. Aber was gehört bei einer Website zum Design und was gehört schon zum Inhalt? Gemäß des Entwurfes der DIN EN ISO 9241-151 wird Inhalt wie folgt abgegrenzt:
„Zusammenstellung von inhaltlichen Objekten einer Web-Benutzungsschnittstelle. Inhaltliches Objekt: Interaktives oder nicht interaktives Informationsobjekt, das in Form von Text, Video, Ton oder anderer Medien dargestellt wird.“ [Thielsch 2008]
Prinzipiell ist eine Website eine Art Trägermedium für unterschiedliche Inhaltsobjekte. Diese sollten wiederum alle die Gestaltung einer Website zentral mitbestimmen. Die einzelnen Designentscheidungen sollten abhängig vom Inhalt einer Website getroffen werden; und das gesamte Layout sollte dabei helfen, den Inhalt einer Website möglichst effektiv und effizient zu vermitteln.
Der Inhalt ist maßgeblich im Sinne einer Kongruenz zwischen der wahrgenommenen Information und Intention einer Website und den gestalterischen Instrumenten. Für eine positive ästhetische Wirkung ist somit die Beziehung zwischen Inhalt und Gestaltung ein wichtiger Aspekt. [vgl. Thielsch 2008, Seite 59]
Wie auch Hassenzahl et al. herausfanden, dass die pragmatischen Qualitäten unabhängig von den hedonischen Qualitäten wahrgenommen werden, ist auch Thielsch im Kontext von Websites, zu dem Ergebnis gekommen, dass die Komponenten (Ästhetik, Usability & Inhalt) getrennt voneinander wahrgenommen werden. In einer Studie konnte er belegen, dass die Nutzer, wenn man sie direkt befragt, Inhalt als den wichtigsten Aspekt einer Website vor Usability und Ästhetik einschätzen. Als den zweitwichtigsten Aspekt konnte die Usability herausgestellt werden. Dicht gefolgt von der ästhetischen Gestaltung einer Website. Der Fokus bei seinen Studien lag dabei auf Präsentationsund Selbstdarstellungsseiten (Corporate Websites). [vgl. Thielsch 2008, Seite 259] [vgl. Jaron&Thielsch 2009, Seite 4]
Gegenwärtig verwenden sehr vielen Websites sog. „iStockphotos“, um die Website mit qualitativ hochwertigen Bildern aufzuwerten. Jedoch ist es kein gutes Vorgehen, wenn man Bilder und Grafiken in die Website einbindet, die zwar ein attraktives Motiv besitzen und hochauflösend sind, jedoch keinen konkreten Kontextbezug aufweisen. Grafiken, sowie Bilder sollten nicht ausschließlich als Dekoration dienen, sondern Inhalt vermitteln der durch Text schwer zu beschreiben ist. Bilder als auch Videos sind für einen Designer nützliche Werkzeuge, um Inhalte zu vermitteln und Emotionen beim Besucher der Website zu wecken. Diese Emotionen sollten jedoch mit den konkreten Zielen des Unternehmens sowie den Bedürfnissen der Kunden einhergehen.
Eine Zahnarzt Website sollte beispielsweise nicht auf der Startseite große Bilder von komplizierten Wurzelbehandlungen zeigen, weil dies beim Großteil der Bevölkerung zu negativen Emotionen führt. Stattdessen sollte man lieber freundliche, glückliche und zufriedene Gesichter auf der Startseite zeigen, um ausschließlich an einen erfreulichen Zahnarztbesuch zu erinnern.
Da Inhalt nicht ausschließlich über Text vermittelt werden kann, sollte man vor der Einbindung eines langen Textabschnitts darüber nachdenken, ob es nicht evtl. sinnvoller ist, stattdessen eine geeignete Visualisierung (Grafik) für diesen Sachverhalt entwerfen zu lassen. Unter Umständen kann damit sehr viel Platz auf der Website gespart werden und der Besucher erfreut sich daran, keinen endlos langen Text lesen zu müssen.
Weg von Lorem ipsum
Es ist davon abzuraten, bei der Gestaltung einer Website, mit sogenannten Blindtexten wie z.B. „lorem ipsum“ zu arbeiten. Man sollte schon während der Entwicklungszeit mit möglichst realistischen Inhalten arbeiten, weil sie sich meist massiv von den Blindtexten und Beispielinhalten unterscheiden. Gerade mit dem Hintergrund, dass man für den Inhalt einer Website gestaltet und keinen Text für das Design verfasst, sollte es selbstverständlich sein den Inhalt im Vordergrund zu heben.
Streng genommen sollte es für einen Webdesigner sehr schwer sein, ein Design ohne Inhalte zu konzipieren, weil der Inhalt die Grundlage für einen Internetauftritt ist. Existiert kein Inhalt, kann der Designer auch kein bestimmtes Design entwerfen, dass individuellen Inhalt vermittelt. Leider ist es heutzutage so, dass viele Websites (vor allem von kleinen bis mittelständischen Unternehmen) aus diesem Grund gleich aussehen. Es existieren selten qualitativ hochwertige Inhalte, was zur Folge hat, dass Designer sich nur bedingt an ihnen für ein individuellen Gesamtentwurf bedienen können. Meistens verwenden Designer daher Templates, die sich für die jeweilige Branche oder Kategorie schon bewährt haben. Das ist natürlich das Gegenteil eines individuellen Nutzungserlebnisses und sollte daher unbedingt vermieden werden.
Mein Name ist Karsten Nolte. Derzeit strebe ich an der Westfälischen Hochschule den akademischen Grad Master of Science im Studiengang »Praktische Informatik« an.
