Gebrauchstauglichkeit

Die Gebrauchstauglichkeit ist allgemein definiert als das

Ausmaß, in dem ein System, ein Produkt oder eine Dienstleistung durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um festgelegte Ziele effektiv, effizient und zufrieden-stellend zu erreichen. [ISO 9241-210]

Betrachtet man den Begriff der Gebrauchstauglichkeit im Kontext von Websites, schreibt er vor, dass dem Besucher alle notwendigen Funktionen zur Verfügung gestellt werden sollen und das Diese einfach und fehlerfrei zu bedienen sein müssen. Die Effizienz bezeichnet in diesem Zusammenhang den Aufwand im Verhältnis zur Genauigkeit und Vollständigkeit der Zielerreichung auf einer Website. Wohingegen die Effektivität, die Genauigkeit und Vollständigkeit, mit der Benutzer ein bestimmtes Ziel zu erreichen beschreibt. Die Bedienung auf einer Website sollte nicht nur mit möglichst geringer kognitiver Beanspruchung einhergehen, sondern ebenfalls zufriedenstellend sein. Den Besuchern soll folglich eine positive Empfindung bei der Nutzung der Seite ermöglicht werden und Behinderungen durch die Oberfläche unterbunden werden. Ein Webauftritt mit einer guten Gebrauchstauglichkeit zeichnet sich beispielsweise durch eine selbsterklärende Navigation, einer übersichtlichen Seitenstruktur und einem ihrer Aufgabe optimal angepassten Gestaltung aus. [vgl. Thielsch 2008, Seite 15] [vgl. ISO 9241-210]

Für Websites wird oftmals der Abschnitt 110 der DIN EN ISO 9241 herangezogen. Dieser Abschnitt der Norm beschreibt sieben Grundsätze der Dialoggestaltung:

  1. Aufgabenangemessenheit Ein Dialog ist aufgabenangemessen, wenn er den Benutzer unterstützt, seine Arbeitsaufgabe effektiv und effizient zu erledigen.
  2. Selbstbeschreibungsfähigkeit Ein Dialog ist selbstbeschreibungsfähig, wenn jeder einzelne Dialogschritt durch Rückmeldung des Dialogsystems unmittelbar verständlich ist oder dem Benutzer auf Anfrage erklärt wird.
  3. Erwartungskonformität Ein Dialog ist erwartungskonform, wenn er konsistent ist und den Merkmalen des Benutzers entspricht, z.B. den Kenntnissen aus dem Arbeitsgebiet, der Ausbildung und der Erfahrung des Benutzers, sowie den allgemein anerkannten Konventionen.
  4. Steuerbarkeit Ein Dialog ist steuerbar, wenn der Benutzer in der Lage ist, den Dialogablauf zu starten, sowie seine Richtung und Geschwindigkeit zu beeinflussen, bis das Ziel erreicht ist.
  5. Fehlertoleranz Ein Dialog ist fehlertolerant, wenn das beabsichtigte Arbeitsergebnis trotz erkennbar fehlerhafter Eingaben entweder mit keinem, oder mit minimalem Korrekturaufwand durch den Benutzer erreicht werden kann.
  6. Individualisierbarkeit Ein Dialog ist individualisierbar, wenn das Dialogsystem Anpassungen an die Erfordernisse der Arbeitsaufgabe, individuelle Vorlieben des Benutzers und Benutzerfähigkeiten zulässt.
  7. Lernförderlichkeit Ein Dialog ist lernförderlich, wenn er den Benutzer beim Erlernen des Dialogsystems unterstützt und anleitet. [vgl. ISO 9241-110]

Gute Gebrauchstauglichkeit ist im Wettbewerb konkurrierender Websites nicht ausschließlich eine besucherfreundliche Geste, sondern eine maßgebende Marketingmaßnahme, um die Akzeptanz eines Internetauftritts zu gewährleisten. Die Besucher einer Website fordern eine klare Orientierung, um möglichst schnell und unkompliziert ihr Ziel zu erreichen. Ergonomisches Design steht aus diesem Grund gleich gewichtet neben der Ästhetik und dem eigentlichen Inhalt einer Website.

Im Internet ist die Gebrauchstauglichkeit von essenzieller Bedeutung. Nicht selten ist die Nutzergruppe einer Website sehr heterogen und sehr schwer näher zu bestimmen. Im Übrigen ist diese Nutzergruppe nicht ausschließlich auf Menschen beschränkt. Auch Agenten und Robots analysieren Websites, um sie zu kategorisieren und die Informationen schnell auffindbar zu machen. [vgl. Hammer 2009, Seiten 183–189] Das Ziel bei der Konzeption einer gebrauchstauglichen Website sollte sein, dass der Nutzer nie zum Nachdenken gezwungen wird. Dabei ist es auch egal, wie oft er klicken muss, bis er sein Ziel erreicht, solange jeder Schritt eine gedankenlose, unzweideutige Auswahl ist.

Trotz der Tatsache, dass die meisten Webentwickler mit Begriffen wie benutzerzentriertes Design und User Experience umgehen, haben nur verhältnismäßig wenige Designer, Webentwickler, Interessengruppen, Manager und solche, die die Schecks unterschreiben, und die alle am Gestaltungssprozess beteiligt sind, tatsächlich einmal zugeschaut, wie Menschen ihre Website benutzen. Folglich gestalten Viele letzten Endes für eine abstrakte Vorstellung eines Nutzers und die basiert zum größten Teil auf einem Selber. [vgl. Krug 2010, Seite 25]

Einige typische Verhaltensweisen von Websitebesuchern

  1. Sie lesen keine Seiten, sie überfliegen sie
  2. Sie wählen nicht immer die optimale, sonder meist die erste, annehmbare Option
  3. Sie beschäftigen sich so gut wie nie damit, wie etwas funktioniert
  4. Sie nehmen auch viele Klicks in Kauf, solange sie das Gefühl haben, immer noch auf dem richtigen Weg zu sein
  5. Sie haben kein Gefühl für Größenverhältnisse, kein Gefühl für Richtung und kein Gefühl der räumlichen Orientierung auf einer Website
  6. Sie wollen immer mit minimalem Aufwand ihre Aufgabe bewältigen [vgl. Krug 2002]

Empfehlungen zur Gestaltung einer gebrauchstauglichen Website

  1. Vorteile von Konventionen nutzen (z.B. Logo mit der Startseite verlinken)
  2. Logisch verknüpfte Dinge auch visuell verknüpfen
  3. Keine Bedenken aufkommen lassen, was anklickbar ist
  4. Nutzlose Wörter weglassen, um den nützlichen Inhalt deutlich herauszustellen
  5. Die Navigation auffällig platzieren und mittels dieser dem Nutzer ein Gefühl von Orientierung vermitteln
  6. Die gewünschten Informationen des Nutzers hervorheben und schnell verfügbar machen
  7. Dem Nutzer unnötige Schritte ersparen, wo es nur geht
  8. Bereits im Vorfeld alle potenziellen Fragen des Nutzers beantworten
  9. Anstatt die Dinge zu beschreiben, besser Beispiele zeigen
  10. Nicht alle Informationen auf einmal, sondern nur bei Bedarf mehr präsentieren
  11. Den Zweck der Website kommunizieren (Platzierung des Logos, Tagline)
  12. Informationen über das Unternehmen bieten (oder den Website-Betreiber)
  13. Unterseiten sollten problemlos in die Favoritenliste des Nutzers zu speichern sein
  14. Dem Nutzer sollte eine Suchmaske offeriert werden, die die gesamte Website durchsucht
  15. Grafiken sollten Inhalte darstellen und nicht lediglich dekorieren
  16. Technische Probleme sollten kommuniziert werden [vgl. Nielsen&Tahir 2002] [vgl. Krug 2002]