Einführung in User Experience Design
User Experience Design (UXD) setzt sich mit der Gestaltung von Nutzungserlebnissen bei Geräten oder Systemen auseinander. Es ist ein multidisziplinäres Forschungsgebiet, das sich mit Aspekten der Psychologie, Soziologie, Computerwissenschaft, Grafikdesign, Industriedesign, sowie der Kognitionswissenschaft beschäftigt.
Ein Nutzungserlebnis ist ein subjektives Gefühl, welches nicht explizit gestaltet werden kann. Es wird vielmehr versucht, ein bestimmtes Erlebnis zu ermöglichen, indem man dem Nutzer bewusst positive Erfahrungen machen lässt. Laut Donald Norman behandelt UXD alle Aspekte der Interaktion mit einem Produkt: Wie es wahrgenommen, erlernt und benutzt wird. [vgl. Norman 1999] Ferner geht es darum, potenzielle negative Emotionen zu vermeiden. Eine einzige, negative Erfahrung – zum Beispiel die Orientierung auf einer Website zu verlieren oder über eine komplizierte Navigation frustriert zu sein – kann jeden Versuch zunichte machen, positive Gefühle bei Nutzern zu wecken. Es ist die Aufgabe des Designers, aufgabenspezifisch die angemessene Balance zwischen emotionaler und rationaler Gestaltung zu finden. Benutzer haben gefühlsbezogene Motivationen für ihre Entscheidungen und Verhaltensweisen, die häufig die rationale Willensbildung steuern. Folglich muss Webdesign auch gefühlsbezogene Aspekte berücksichtigen. [vgl. Kalbach 2008, Seite 47] Websites werden sich zukünftig durch messbarer Qualitäten wie z.B. Usability und weiterer Qualitäten, die zur Freude bei der Nutzung beitragen, bewerten lassen müssen. Auch die Ansprüche ihrer Kunden, die über die Aufgabenerledigung mit Systemen hinausgehen, werden in Zukunft in einem größeren Umfang befriedigt werden müssen.
„Im Produktdesign findet sich seit mehreren Jahren ein Trend, neben der Benutzbarkeit weitere, emotionsbezogene Aspekte zu betrachten. Das ebenfalls bei der Rezeption von Websites Faktoren jenseits der reinen Usability eine Rolle spielen, scheint für viele Autoren inzwischen Konsens zu sein.“ [Thielsch 2008, Seite 32]
Darüber hinaus geht es darum, Probleme effizient zu lösen. Man muss verstehen lernen, wie die Nutzer die Dinge sehen, wie sie denken und sich verhalten. Dem Designer stehen dabei auch wesentlich mehr Werkzeuge zur Verfügung als lediglich Farben und Schriften, wie z.B. Usability Tests, Nutzerbefragungen & Prototyping. Es geht dabei um mehr als die reine Funktionalität und visuelle Gestaltung. Es geht um ihr Zusammenspiel und deren Wechselwirkungen untereinander. Steve Jobs sagte einmal folgenden populär gewordenen Satz:
„Design is not just what it looks like and feels like. Design is how it works.“ [Jobs 2003]
Design hilft die Komplexität von Websites zu bändigen, nicht indem Abstriche an dem Webauftritt gemacht werden, sondern durch den effektiven Einsatz von gestalterischen Mitteln. [vgl. Norman 2010]
Es ist allerdings nicht einfach, den Begriff Design eindeutig abzugrenzen, da er im angloamerikanischen Sprachgebrauch z.B. ebenfalls jede Form von Entwurf und Konstruktion bezeichnen kann. Norbert Hammer definiert Design wie folgt:
„Unter Design verstehen wir die Gestaltung von zwei- und dreidimensionalen Produkten unter besonderer Berücksichtigung der nutzerorientierten, d.h. der ergonomischen, kommunikativen und ästhetischen Belange einerseits und der technisch-konstruktiven, herstellungsbezogenen und betriebswirtschaftlichen Belange andererseits.“ [Hammer 2009, Seite 18]
Folglich behandelt UXD, in dieser Arbeit, ebenfalls Aspekte des technischen Aufbaus einer Website.
Begriffsvielfalt
Wenn von User Experience oder User Experience Design die Rede ist, hört trifft man auf eine Vielzahl von Begriffen, die in der Summe helfen können, ein besseres Bild des Gesamtkonzeptes zu bekommen. Es folgt ein Überblick über aller in der Literatur gefundenen Begriffe, die das Thema UXD im weiteren Sinne beschreiben. Die Nennung der einzelnen Begrifflichkeiten ist wertfrei, es dient lediglich zum verdeutlichen der Begriffsvielfalt.
Wenn man sich den Großteil der Websites (insbesondere Corporate Websites) gegenwärtig im Internet anschaut, stellt man fest, dass man in den seltensten Fällen von Begriffen wie Joy-of-Use, Emotional- oder Persuasive Design sprechen kann. Dort ist die Entwicklung bei weitem noch nicht abgeschlossen. Diese Arbeit soll unter Anderem dazu beitragen, eine bessere Vorstellung von UXD im Kontext von Websites und Webnavigationen zu bekommen.
Mein Name ist Karsten Nolte. Derzeit strebe ich an der Westfälischen Hochschule den akademischen Grad Master of Science im Studiengang »Praktische Informatik« an.